Aufholjagd wird nicht belohnt

Was für ein Drama, was für eine Spannung, was für ein Sonntags-Krimi! Die Rede ist nicht vom 1000. Tatort, der kam erst um 20:15 Uhr. Gemeint ist das Kellerduell der RLSO gestern um 16:00 Uhr in Oberhaching – und das hatte einiges zu bieten:
Ein verloren geglaubtes Spiel, gedreht innerhalb des letzten Viertels bis zur 1-Punkt-Führung, und dann am Ende doch die bittere Niederlage - das bekamen all diejenigen geboten, die an diesem Nachmittag den Weg an den Tropical Beach gefunden hatten.

Doch der Reihe nach: Das erste Schmankerl des Abends erwartete die Fans der Tropics bereits bei der Mannschaftsvorstellung: Mit der Nummer 15 im gelben Trikot lief Frieder Diestelhorst aufs Parkett, den die Verantwortlichen der Tropics sprichwörtlich in letzter Sekunde als Verstärkung unter den Brettern aus dem Hut gezaubert hatten.
Der erstligaerfahrene Neuzugang ist in Basketball-Deutschland kein unbekannter und jedem Basketballinteressierten dürfte klar sein, welche Bereicherung der aus Halle stammende Forward für die Tropics darstellt.

Insofern waren die Jungs vom Kyberg guter Dinge, die Ausfälle von Jakob Sperber und Markus Hübner kompensieren zu können und der Start in die Partie verlief bis zum 8:2 durchaus vielversprechend. Doch sogleich folgte der erste Run der Leitershofener, die sich die 8:13-Führung ergatterten. Schon hier zeichnete sich ab, dass Kangaroo-Topscorer Joshua Hart sein Wurfhändchen an den Tropical Beach mitgebracht hatte. Das restliche Viertel verlief ausgeglichen und so ging es mit 15:17 aus Sicht der Tropics in den zweiten Abschnitt.

Dieses konnten die Leitershofener nutzen, um sich kontinuierlich abzusetzen. Die Tropics ließen zu viele offene Würfe zu und agierten im Angriff zu lethargisch. Kaum eine Offense führte zu einem sauber herausgespielten Abschluss, sodass man selten zu einfachen Punkten kam. Und ehe man bei den Gelbhemden richtig ins Laufen kam, war die Halbzeitsirene ertönt und ein unheilvolles 26:37 leuchtete von der Anzeigetafel.

Nach der Pause legte Hart gleich fünf Punkte in Serie obendrauf und beim 30:48 schien das Spiel so gut wie entschieden. Vielleicht etwas zu spät erwachte nun in den Tropics der Kampfgeist und drei Minuten vor Ende des Viertels waren die Tropics wieder auf 43:52 dran – die magische Zehn-Punkte-Grenze war also wieder unterschritten. Doch mit einem Dreier von Max Uhlich war der Rückstand im Vergleich zur Halbzeit sogar um einen Punkt angewachsen.

Mit 45:57 ging es also in den entscheidenden Spielabschnitt und rein gar nichts deutete darauf hin, dass sich die Kangaroos die Butter noch vom Brot nehmen lassen könnten. Die Zwischenstände lauteten 47:63 - noch 8 Minuten zu spielen, dann 53:68 – noch 5:30 auf der Uhr. 59:72 – nur noch 4:10! Und ausgerechnet jetzt kam endlich die beste Phase der Jungs von Coach Matic: Ein sensationeller 13:0-Lauf durch Punkte von Janosch Kögler, Frieder Diestelhorst und Omari Knox führte bis zum 72:72-Ausgleich bei 1:13 Restspielzeit – die Sensation schien in der Luft zu liegen! Julian Lippert konnte per Freiwurf sogar die 74:73-Führung herstellen und die Halle tobte! Es war ein offener Schlagabtausch. Doch wie es beim Basketball nun einmal ist: Am Ende liegen Sieg und Niederlage nur Millimeter auseinander. Es entwickelte sich ein typischer Basketball-Nervenkrieg mit taktischen Fouls auf beiden Seiten und auch wenn die grandios kämpfenden Oberhachinger noch einmal alles in die Waagschale warfen – diesmal sollte die Aufholjagd nicht belohnt werden, am Ende stand eine bittere 77:80-Niederlage zu Buche.

Das Fazit aus dieser Partie dürfte vor allem lauten: Das Spiel dauert 40 Minuten und es reicht nicht, nur ein paar Minuten gut zu spielen. Immerhin konnte Frieder Diestelhorst einen mehr als gelungenen Einstand feiern – mit 20 Punkten avancierte er auf Anhieb zum Topscorer der Tropics. Den Fans bleibt vielleicht der kleine Trost, am Sonntag Zeugen des einzig wahren Krimis geworden zu sein und immerhin in den Genuss einiger spektakulärer Flugeinlagen von Julian Lippert und Frieder Diestelhorst gekommen zu sein.

Interessanterweise sind die Tropics trotz Niederlage um einen Tabellenplatz nach oben geklettert, da vor dem Spieltag zwischen mehreren Teams Punktgleichheit herrschte. Durch die Ergebnisse vom Wochenende fällt jedoch Rosenheim hinter Oberhaching zurück.

Für die Tropics stehen in den kommenden Wochen viele entscheidende Spiele an. Wenn man so will, ist ab sofort jedes Spiel ein Endspiel. Von daher gilt es jetzt, die Niederlage abzuhaken, aufzustehen und weiter zu kämpfen. Am Samstag ist man in Herzogenaurach zu Gast, wo schon das nächste Vier-Punkte-Spiel auf dem Programm steht.


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